Mit unserem ersten Crowdlauf 2019 stellen wir all jene Menschen auf das Podest, die sich das ganze Jahr über für uns engagieren – für uns, unsere Kinder, unsere Gesellschaft, unsere Umwelt, unsere Zukunft.

Sie sind ehrenamtlich tätig und trainieren uns im Sportverein, wenn sie Feierabend haben, sie studieren bis spätnachts die Akten für die nächste Stadtratssitzung oder lassen sich für einen Feuerwehreinsatz aus dem Wochenende holen. Ohne sie hätten wir eine schlechtere Unfall- und Katastrophenhilfe, weniger Kulturveranstaltungen und weniger Wissen und Erfahrungen zum Thema Umweltschutz. Doch mit ihnen werden unsere Schulen, Kindergärten, Behinderteneinrichtungen und Altenheime lebenswertere Orte.

Und eines ist sicher: Ohne Menschen im Ehrenamt müsste sich unser Staat ziemlich viel Neues einfallen lassen, denn einige Bereiche unseres sozialen Miteinanders würden schlichtweg nicht mehr funktionieren.

Also: Die Flutlichter an – für alle Menschen, die ein Ehrenamt ausüben!

Wir liefern euch vorab zum Crowdlauf nicht nur alle wichtigen Fakten zur Situation in Deutschland, sondern auch persönliche Tipps, die euch weiterhelfen, falls ihr euch selbst für ein Ehrenamt interessiert.

Welche Arten von ehrenamtlicher Arbeit gibt es?

Grundsätzlich und historisch gesehen bezieht sich das Wort Ehrenamt nur auf Ämter, in die Personen gewählt werden – dazu zählen etwa der Posten eines Vereinsvorstands oder die Arbeit als Schöffin bei Gericht.

Schon seit Jahrzehnten wird der Begriff aber auch allgemein verwendet für bürgerschaftliches  Engagement oder Freiwilligentätigkeiten, die unentgeltlich oder gegen geringe Aufwandsentschädigungen geleistet werden. Und schon der Name deutet an, dass auch die Menschen, die sich engagieren, ein bisschen etwas selbst davon haben – nämlich zumindest die Ehre.

Im Freiwilligen-Survey des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2014 wurde aber ermittelt, dass genau dieses Motiv für Menschen immer unwichtiger wird. Nur noch ein Drittel der befragten Ehrenamtler und Ehrenamtlerinnen möchte durch die Tätigkeiten sein Ansehen vergrößern.

In den Vordergrund rücken mit jeweils etwa 80 % Zustimmung oder voller Zustimmung die Tatsache, dass ein Ehrenamt Spaß machen kann, man mit anderen Menschen zusammenkommt und die Gesellschaft mitgestalten kann. Immerhin die Hälfte aller freiwillig Engagierten gibt an, dass sie durch die gemeinnützige Tätigkeit auch für sich selbst neue Dinge lernt, die auch außerhalb des Engagements nützlich sind.

Etwa 30 Millionen Menschen engagieren sich nach den meisten Schätzungen aktuell ehrenamtlich, alleine in Deutschland. Mögliche Betätigungsfelder sind:

  • Sport (z.B. Trainer, Vereinsvorstände)
  • Kultur (z.B. Organisatoren von Stadtteilfesten, Gruppenleiter)
  • Umweltschutz (z.B. Tierschutzorganisationen, Tierheime, politische Kampagnenarbeit)
  • Kinder, Schulen, Altenpflege und Behinderteneinrichtungen (z.B. Vorleser in Schulen, Vormundschaften von minderjährigen Geflüchteten, Pfadfinder, Gruppenleiter in Altenpflegeeinrichtungen)

Ohne Ehrenamtliche gäbe es keine Telefonseelsorgeangebote, viel zu wenig Unterstützer für all die Aufgaben in der Jugendhilfe, kaum Angebote in Sportvereinen und ein erschreckend armes kulturelles Angebot in den Gemeinden vor Ort – und niemand weiß, wo wir ohne Ehrenamtliche heute bei der Integration von Migranten und Geflüchteten stünden.

Das Ehrenamt ist außerdem keine neue Erfindung. Schon Perikles behauptete über das antike Griechenland, dass ein Privatmann kein stiller Bürger sei, sondern schlichtweg ein schlechter Staatsbürger.

Im Jahr 2000 wurden die Ergebnisse einer internationalen, über mehrere Jahrzehnte lang durchgeführten Studie veröffentlicht, die nahelegen, dass die Staaten mit größerem ehrenamtlichen Engagement auch die Staaten sind, in denen mehr öffentliche Gelder in das soziale Miteinander investiert werden – Staaten können also nicht einfach sparen, indem sie das ehrenamtliche Engagement ihrer Bürger ausnutzen.

Wie finde ich eine passende ehrenamtliche Tätigkeit?

Einen Überblick über mögliche Einsatzfelder vor Ort bekommst du in Beratungsstellen auf deiner Gemeinde und deren Webseite. Hier werden große lokale Organisationen, Freiwilligenagenturen und Ehrenamtsbörsen aufgelistet sowie Veranstaltungen angekündigt, bei denen du dich detaillierter informieren kannst.

Aktuelle Projekte, die ganz aktuell bundesweit Unterstützer suchen, sind zum Beispiel unter Discover Volunteering bei betterplace.org ausgeschrieben. Und auch die Kirchen können gute Ansprechpartner sein.

Möchtest du für deine Tätigkeit sogar ins Ausland gehen, dann kannst du dich von Weltwärts inspirieren lassen, dem Freiwilligendienst-Programm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Wenn es keine mehrmonatige Reise werden soll, informierst du dich am besten in einschlägigen Foren. Hier solltest du aber immer auch abwägen, ob von deinem Einsatz tatsächlich die lokale Bevölkerung profitiert – oder vielleicht mehr die Agentur, die dich vermittelt.

Eine Alternative, die Reisen mit einem nachhaltigen Lebensstil und Bildung verbindet, ist etwa das Sustainability Adventure von Forum Via. Und, Stichwort Onlineforum: Immer mehr Menschen engagieren sich ehrenamtlich in Online-Communities, indem sie anderen mit ihrem Wissen weiterhelfen oder darauf achten, dass die Netiquette gewahrt wird.

Daneben gibt es natürlich noch andere Möglichkeiten, ein passendes Ehrenamt zu finden. In welchem deiner Hobbys möchtest du mehr Zeit mit anderen verbringen? Du spielst Basketball, warst vor Jahren Teil eines Kajakvereins oder bist am Wochenende sowieso nur in den Bergen? Frag nach, wie du dich engagieren könntest.

Und auch andersherum funktioniert das: Wenn du deinen Bekanntenkreis durchgehst, merkst du wahrscheinlich auch, welche Tätigkeiten gebraucht werden können, ohne dass sie bereits zu einem deiner Hobbys passen. Sucht dein Nachbar jemanden, der ihn mit dem Rollstuhl einmal pro Monat zu einer Sportveranstaltung mitnimmt? Engagiert sich deine Kollegin bereits in der Schülernachhilfe von sozial benachteiligten Kindern und könnte Unterstützung gebrauchen? Stammt der Hund deiner Eltern aus dem Tierheim, das dringend neue Gassigeher braucht?

Was muss ich beachten, wenn ich ein Ehrenamt ausübe?

Hast du eine Tätigkeit gefunden, die dich interessiert und sie bereits erfolgreich ausprobiert, dann musst du noch mit deinem Arbeitgeber klären, in welchem Umfang du neben dem Job ehrenamtlich tätig werden darfst.

Grundsätzlich ist das Recht auf die Ausübung eines Ehrenamts sogar im Grundgesetz verankert (im Rahmen des Rechts auf freie Persönlichkeitsentfaltung) – sobald deine Erholungszeiten aber gefährdet sind, solltest du Rücksprache halten. Einige Arbeitgeber unterstützen ehrenamtliche Tätigkeiten inzwischen aber schon gezielt.

Hinsichtlich Versicherungsschutz (Unfallversicherung und Haftpflicht) gelten unterschiedliche Regelungen, je nachdem, in welchem Bundesland du dich engagierst oder bei welcher Organisation. Informationen hierzu, zu Aufwandsentschädigungen und steuerlichen Vorteilen gibt es auf den Seiten der Ministerien in deinem Bundesland sowie bei der jeweiligen Trägerorganisation.

Wir könnten dir an dieser Stelle auch eine Checkliste präsentieren und dich fragen, wie viel Zeit du investieren möchtest und ob deine Familie oder dein Partner hinter dir stehen, wenn du dich für ein Ehrenamt entscheidest. Wir könnten dir zu Bedenken geben, dass ein Ehrenamt immer zu deinen Interessen passen sollte und dass du dir im Klaren sein musst, dass andere Hobbys auf der Strecke bleiben könnten.

Aber: Die meisten Menschen in einem Ehrenamt sind irgendwann mal in ihr Amt hinein gestolpert und trotz Widrigkeiten dabei geblieben – viele machen sich ihre Aufgabe zur Lebensaufgabe, weil sie dem Leben einen Sinn geben kann. Und so etwas gefunden zu haben ist vielen mehr Wert als jeder Lohn für andere Arbeit.

Trotzdem: Menschen, die sich engagieren, brauchen unsere Anerkennung und haben es verdient, dass ihnen keine Stolpersteine in den Weg gelegt werden – wie etwa bürokratische Hürden oder undurchsichtige rechtliche Regelungen.

Und jetzt? Starte deinen Crowdlauf!

Wenn wir für den Ehrenamt-Crowdlauf ins Rennen gehen, dann laufen wir für den Fußballtrainer, der dich vor 15 Jahren trainiert hat und heute deinen kleinen Nachbarn das Kicken beibringt, für die Ärztin, die zweimal im Monat ihren Dienst bei der Bergwacht ableistet, damit wir beruhigt Skifahren oder Mountainbiken gehen können, für die beiden Chorleiter in deiner Kirchengemeinde und für den ehrenamtlichen Betreuer der geflüchteten Familie aus der Klasse deiner Tochter.

Und wir laufen dafür, dass ihre Arbeit noch besser Wert geschätzt wird und die Bedingungen verbessert werden – wir laufen für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und die Menschen, die so viele kleine Risse mit ihrem Einsatz und ihrer Leidenschaft kitten können!

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