Menschen, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden, haben oft große Probleme, den Alltag zu bewältigen. Speziell geschulte Assistenzhunde könnten ihnen helfen, Ängste abzubauen und ihnen einen Weg zurück ins gesellschaftliche Leben ebnen.

Doch dafür braucht es gesetzliche Rahmenbedingungen, die die Ausbildung und Finanzierung von Assistenzhunden sowie den Umgang mit ihnen regeln. Aber die gibt es in Deutschland noch nicht.

Was ist PTBS?

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine psychische Erkrankung. Betroffene leiden oft an Panikattacken, Angstzuständen und Depressionen, haben Flashbacks, Albträume, bis hin zu Suizidgedanken.

Auslöser einer PTBS können sehr verschieden sein. Immer sind es aber außergewöhnliche und potentiell lebensbedrohliche Ereignisse, die bei den betroffenen Menschen zu tiefgreifenden, seelischen Erschütterungen führen.

Zu den häufigsten Auslösern zählen sexueller Missbrauch, physische und psychische Gewalt, Naturkatastrophen, schwere Verkehrsunfälle, aber auch Kriegserfahrungen und Vertreibungen.

Eine PTBS kann jeden treffen. In bestimmten Berufs- und Personengruppen ist das Risiko aber erhöht. Dazu zählen unter anderem:

  • Soldat*innen, die traumatisiert von ihren Einsätzen in Kriegs- und Krisengebieten zurückkehren
  • Mitarbeiter*innen von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr, die versuchen, Menschenleben zu retten, oder die selbst in lebensbedrohliche Situationen geraten
  • Lokführer*innen, denen sich jemand vor den Zug wirft und sich so das Leben nimmt
  • Geflüchtete, die in ihren Heimatländern Krieg und Gewalt erlebt haben oder auf der Flucht beinahe selbst ums Leben gekommen wären

Diese Liste nennt nur einige Beispiele von vielen.

Nicht selten treten die Symptome einer PTBS erst Monate oder Jahre, manchmal sogar Jahrzehnte nach dem auslösenden Ereignis ein.

Betroffene sind häufig nicht mehr in der Lage, öffentliche Plätze zu besuchen oder einkaufen zu gehen. Bestimmte Geräusche oder Gerüche können ganz plötzlich die traumatischen Ereignisse von damals zurück ins Gedächtnis rufen. Ängste und Panikattacken sind die Folge.

PTBS-Leidende neigen deshalb oft dazu, sich innerlich zurückzuziehen, keine sozialen Kontakt mehr zu pflegen und ihre Wohnungen nicht mehr zu verlassen. Eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ist dadurch fast unmöglich.

Wie Assistenzhunde helfen können

Hunde haben eine positive Wirkung auf Menschen. Schon allein ihre Anwesenheit kann beruhigend wirken, Ängste reduzieren und Hemmungen abbauen, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten.

Für PTBS-Betroffene sind speziell geschulte Assistenzhunde, die therapiebegleitend eingesetzt werden, deshalb eine große Chance: Sie könnten ihnen einen Weg zurück ins gesellschaftliche Leben ebnen.

Assistenzhunde werden unter anderem darauf trainiert, in der Öffentlichkeit eine physische Barriere zu schaffen, die andere Personen auf Abstand hält. Außerdem sind sie in der Lage, Flashbacks und Albträume zu erkennen und durch Anstupsen oder Pfote auf das Bein legen zu unterbrechen.

In einer Studie berichteten 82 % der befragten PTBS-Patient*innen mit Assistenzhunden von einer Reduktion ihrer Symptome, 40 % konnten sogar die Einnahme von Medikamenten reduzieren. (Quelle: Rehahunde Deutschland e.V.)

Hunde erreichen damit etwas, was selbst Familienmitgliedern, Freund*innen und medizinischem Fachpersonal oft nicht gelingt: Sie finden einen Zugang zu PTBS-Betroffenen, geben ihnen mehr Sicherheit im Alltag und ermöglichen so Ärzt*innen und Therapeut*innen, die Betroffenen fachkundig zu begleiten.

In Deutschland fehlen gesetzliche Rahmenbedingungen

Seit dem 1. Januar 2015 gibt es in Österreich eine einheitliche, gesetzliche Definition des Begriffs “Assistenzhund”. Dadurch wurde es möglich, für diese speziellen Hunde Ausnahmen festzulegen, was die Maulkorb- und Leinenpflicht betrifft. Sie genießen außerdem freien Zugang zu öffentlichen Orten und Gebäuden.

Auch die Ausbildung von Assistenzhunden und Assistenzhundeführer*innen ist in Österreich gesetzlich geregelt. Es gibt Qualitätsstandards, die einzuhalten sind, und staatliche Prüfungen für Hundetrainer*innen sowie Hundehalter*innen.

In Deutschland gibt es dafür noch keine einheitlichen, gesetzlichen Regelungen. Das ist problematisch, denn so kann nicht sichergestellt werden, dass ein Hund wirklich gut trainiert, dass Trainer*innen tatsächlich gut ausgebildet und dass Menschen mit körperlichen oder psychischen Leiden einen Assistenzhund bekommen, der sie in ihrer Therapie sinnvoll unterstützen kann.

Außerdem ist die Ausbildung eines Assistenzhundes oft sehr teuer. Kosten in Höhe von 25.000 EUR sind keine Seltenheit. Mit einer staatlichen Anerkennung von Assistenzhunden könnten diese Kosten zumindest teilweise von den Krankenkassen übernommen werden.

Gäbe es gesetzliche Regelungen, würden alle davon profitieren – auch die Assistenzhundeschulen und -trainer*innen in Deutschland, die bereits jetzt eine gute Arbeit leisten.

Vor allem aber würden diejenigen profitieren, die mit einem voll anerkannten und gut trainierten Assistenzhund einen Weg zurück ins Leben finden könnten.

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