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Der Rassismus macht die Rassen – nicht umgekehrt. So lautet der Tenor der “Jenaer Erklärung“, die auf der kürzlich zu Ende gegangenen Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft verabschiedet wurde.

Die Annahme, Menschen könnten in Rassen eingeteilt werden, entbehre jeder wissenschaftlichen Grundlage, stellten die Forscher klar.

Menschenrassen seien demnach nichts weiter als ein gedankliches Konstrukt, sagt Professor Martin Fischer von der Universität Jena. Mit dem Rassebegriff werde die Biologie missbraucht, um Rassismus zu legitimieren.

Rassismus ist absurd

Wir legen euch wärmstens ans Herz, das 7-minütige Interview mit Martin Fischer auf Deutschlandfunk als Podcast zu hören. Es ist wirklich gut!

Darin erklärt der Jenaer Professor unter anderem, warum es völlig absurd ist, Menschen anhand ihrer Hautfarbe zu diskriminieren:

Dunkle und helle Hautfarben sind Anpassungen an den Anteil des Sonnenlichts das Jahr über. Und bleich zu werden, weiße Hautfarbe zu entwickeln, ist ein, wenn man so will, defizitärer Akt: Die mangelnde Sonne im Norden führte dazu, dass Menschen (…) ausbleichen mussten, um überhaupt noch Vitamin D synthetisieren zu können. 

Prof. Martin Fischer, Uni Jena

Das heißt, Menschen, die heute eine weiße Hautfarbe haben, wären eigentlich deutlich dunkler, wenn ihre Vorfahren vor mehreren zehntausend Jahren nicht von Süden nach Norden gewandert wären. Denn, so Martin Fischer weiter:

Die jüngsten Ergebnisse (…) zeigen, dass alle nicht afrikanischen Menschen auf eine Gruppe in Ostafrika, Südsudan/Ostafrika, zurückgehen, von denen wir dann abstammen. Also wir sind eigentlich hellhäutige Afrikaner, wenn man so will, unser Ursprung liegt in Afrika.

Prof. Martin Fischer, Uni Jena

Also… das heißt:

Wir hier in Deutschland und im nördlichen Europa haben alle einen Migrationshintergrund? Wir alle sind Migrant*innen aus Afrika? Du, ich, er und sie?

Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit sind wirklich absurd!

Warum wir über dieses Thema bloggen

Wir von Crowdlauf glauben, dass nur ein Miteinander die Welt für alle besser machen kann.

Menschen dürfen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache, ihrer Religion oder ihrer sexuellen Orientierung keine Ablehnung in unserer Gesellschaft erfahren.

Vor allem sind Pauschalisierungen zu vermeiden. Wann immer jemand Menschen in Gruppen zusammenfasst (“die Ausländer”, “die Migranten”, “die Schwulen”) und diese Gruppen pauschal verurteilt, sollten wir alle hellhörig werden.

Gruppen lassen sich nämlich leicht als Feindbild konstruieren, z.B. indem sie rhetorisch mit Gefahren und Katastrophen in Verbindung gebracht werden (“eine Flüchtlingswelle überschwemmt Europa!”). Dieses sogenannte “Framing” ist ein beliebtes Stilmittel von Populisten, um Menschen zu manipulieren.

Auch werden durch Gruppen die Individuen, aus denen die Gruppen eigentlich bestehen, unsichtbar: Viel zu schnell ist die Rede von “den Migranten” – und nicht von dem 28-jährigen Mohammed, der als Lehrer in Idlib gearbeitet hat, bis er vor dem Krieg fliehen musste.

Dabei sind Individuen Menschen wie du und ich, mit eigenen Biografien, Wünschen und Ängsten.

Ich möchte nicht, dass jemand meine Biografie, meine Wünsche und Ängste für nichtig erklärt, bloß weil er oder sie mich in ein Gruppe steckt, in der ich als Individuum unsichtbar werde. Willst du das etwa?

Wir von Crowdlauf bloggen über Themen wie diese, und starten Kampagnen wie “Ich mag’s bunt“, um uns alle immer wieder dazu anzuregen, über unsere eigenen Pauschalisierungen und Konstrukte im Kopf nachzudenken. Um sie zu hinterfragen und bei Bedarf aufzubrechen, wenn wir feststellen, dass sie nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Vielleicht überwinden wir so irgendwann auch den Alltagsrassismus, der uns als Gesellschaft prägt.

Wir waren gerade im Urlaub, als sich im August 2018 die Ereignisse in Chemnitz überschlugen. Nachdem ein junger Mann von zwei anderen Männern niedergestochen wurde und kurz darauf an seinen Verletzung verstarb, und als klar wurde, dass die mutmaßlichen Täter Flüchtlinge waren, kochte die Stimmung hoch. Menschenmassen zogen durch die Straßen und riefen rechte Parolen. In den Medien war von einer Hetzjagd gegen Ausländer die Rede.

Wir waren schockiert, als wir die Ereignisse aus der Ferne verfolgten, aber uns auch schnell einig:

Die Ermordung des jungen Mannes war eine schreckliche Straftat, die entschieden zu verurteilen ist. Aber diese Tat darf weder missbraucht werden, um Hass gegen Ausländer zu legitimieren, noch um Geflüchtete per se als gefährlich zu verurteilen.

Dem Hass etwas entgegensetzen

Nur wenige Tage später mobilisierte sich von Chemnitz aus eine deutschlandweite Gegenbewegung unter dem Hashtag #wirsindmehr. Ihr Ziel war es, mit einem großen Konzert und mit Gegendemos Zeichen zu setzen gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Chemnitz ist anders, Chemnitz ist bunt, lautete ihre Botschaft. Sie wollten damit auch verhindern, dass ihre Stadt ein negatives Image aufgedrückt bekommt durch die vielen Medienberichte, die bundesweit über die rassistischen Ausschreitungen in Chemnitz kursierten.

Diese Gegenbewegung ließ uns aufatmen. Sie war ein wichtiges und positives Signal, nicht nur für Chemnitz, sondern für ganz Deutschland, das den Menschen klarmachte:

Wir dürfen dem Hass, der Gewalt, der Ausgrenzung und dem destruktiven Gegeneinander nicht die Bühne überlassen. Wir müssen mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, etwas Gutes dagegensetzen: Empathie, Besonnenheit, die Bereitschaft zu einem friedlichen Miteinander und eine positive Haltung zu einem bunten Leben.

So war die Idee für den Toleranz-Crowdlauf geboren.

Eine bessere Zukunft braucht Toleranz

Wir leben in turbulenten Zeiten. Die Welt ist in den letzten Jahrzehnten immer komplexer geworden. Auf wichtigen Fragen, die wir uns stellen, kann es keine einfachen Antworten mehr geben. Wir wünschen uns Wegweiser, die uns helfen zu entscheiden, was wir tun sollen, finden aber keine. Das verursacht Unsicherheit und schürt Ängste.

Das Tückische an Ängsten ist, dass ihre Ursachen gerne im Dunkeln bleiben. Denn was unklar, fremd und unbekannt ist, oder was andere als gefährlich und bedrohlich darstellen, macht uns besonders viel Angst.

Wir fürchten uns so lange vor dem Monster im Wandschrank, bis wir uns der Angst stellen, den Wandschrank öffnen und realisieren, dass es dort kein Monster gibt.

Deshalb glauben wir ganz fest daran, dass sich niemand von einem vagen Gefühl der Angst beherrschen lassen sollte. Egal was andere als “die große Gefahr” darstellen mögen, wir sollten unsere Ängste hinterfragen. Ganz besonders dann, wenn sie sich pauschal gegen andere Menschengruppen richten, wie die Ausländer, die Geflüchteten, die Schwarzen, die Schwulen. Nur weil Menschen anders aussehen, sprechen, leben oder lieben, sind Vorurteile und Pauschalisierungen noch lange nicht legitim.

Wenn wir genau hinschauen, werden wir feststellen, dass da viele dufte Typen dabei sind, Frauen wie Männer, mit denen das Abendland garantiert nicht untergehen wird.

Dazu braucht es zunächst einmal Toleranz, also eine Grundhaltung, die auch andere Lebens- und Denkweisen neben der eigenen duldet. Ohne Toleranz könnte ein Miteinander nicht funktionieren – und erst ein Miteinander macht die Welt besser für alle. Das war schon immer so und das wird auch in Zukunft so sein. Das ist unsere Überzeugung.

Wir laden dich also herzlich dazu ein, gemeinsam mit uns und der Crowd ein Zeichen zu setzen für mehr Toleranz und Mitmenschlichkeit. Lass uns in die Welt hinausschreien “Ich mag’s bunt!” und all der Schwarzmalerei frohe Farbkleckse verpassen. Dann gehört die Zukunft uns.

Mach mit beim Toleranz-Crowdlauf “Ich mag’s bunt”!