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Nah an der westlichsten Spitze des afrikanischen Kontinents: Ein Strand, an dem sich Surfer treffen, Jugendliche und Familien zum Baden kommen, dazwischen Schafe und bunte Pirogen, die Fischerboote der heimischen Fischer.

Ab und an setzen Boote über zu einer vorgelagerten Insel. Wenn am Samstagmorgen die Familien am Strand von Ngor eintreffen, dann liegen die frisch gefangenen Fische längst in den Kühltruhen am Strand, bereit für den Weiterverkauf.

Doch der paradiesische Eindruck ist getrübt.

„Man sieht Süßigkeitenverpackungen, Becher, Tüten, Einwegverpackungen, sogar Schuhe“, erzählt Kadiatou. Die Schülerin aus Dakar beteiligt sich zum „Tag des Meeres“ mit Freunden immer wieder an einer Müllsammelaktion, bei der gerne mal zwei Tonnen Müll gesammelt werden – an nur einem Tag.

Teile davon holt sich an anderen Tagen das Meer – Stück für Stück mit jeder Welle.

So kommt der Müll ins Meer

Steht man hier am Strand, wird plötzlich so bildhaft klar wie sonst kaum, wie es passieren konnte, dass unsere Meere voll mit Plastikabfällen sind.

Dabei sind Strandszenen wie hier nur ein Teil des Problems. Plastik gelangt auch von Schiffen ins Meer, durch Mülldeponien in Asien (die auch unseren Müll immer noch aufnehmen) und von Mikroplastik in unseren Kosmetikartikeln und Klamotten.

Und auch hier im Senegal wird gegen das Problem schon lange vorgegangen: Im Jahr 2015 wurde mit großen Kampagnen die Plastiktüte verboten, seit 2006 gibt es im Dorf Thiès, etwa 70 Kilometer entfernt von Dakar, eine Recyclinganlage, wo Plastikmüll aus den Straßen für die Industrie umverarbeitet wird.

Auch viele herkömmliche, lokale Ideen werden wieder wichtiger: Schon längst werden Bastkörbe für Einkäufe auf dem Markt benutzt und anstatt sich mittags Essen to go in Plastikverpackungen zu holen, isst man hier oft gemeinsam mit Kollegen aus einer großen Schüssel, die einfach wieder zurückgebracht wird.

plastik strand senegal

Plastikmüll am Strand von Dakar – das Surferparadies ist bedroht. Foto: Valentina Aversano-Dearborn / Forum ViA (Wien)

Plastik im Meer: Mit der Fünfer-Regel weltweit gegen Müll

Allein – es gibt weiterhin viel zu wenige Mülltonnen, findet nicht nur Kadiatou. Wenn sie ihren Freunden sagt, sie sollten ihren Müll nach dem Strandbesuch wieder mitnehmen, erntet sie oft nur schiefe Blicke.

Sie versucht, eine Fünfer-Regel zu etablieren: Nach dem Strandbesuch für fünf Sekunden auf den Boden blicken und mindestens fünf herumliegende Teile mitnehmen.

Dass diese Regel auch bei uns funktionieren könnte, ist klar. Auch hier findet sich Plastikmüll an Seestränden und Flüssen, wenn auch nicht immer ganz so offensichtlich wie am Strand von Ngor.

Und ein Blick in die Zahlen zeigt, dass man in Deutschland pro Kopf etwa 37 Kilo Plastikmüll im Jahr verursacht, in Senegal dagegen nur zwölf.

Fast die Hälfte des Mülls wird in Deutschland allerdings recycelt, der Rest größtenteils verbrannt. Im Senegal liegt der Anteil des Recyclings noch im einstelligen Prozentbereich und immer noch landen mehrere Tausend Tonnen Plastikmüll nicht auf der Verbrennungsanlage, sondern in der Natur.

Ein neues Leben für das Meer: Ozeankind e.V.

Es war auch ein Schock auf einer Reise, der Marina und Micha zum Umdenken brachte. Ein Bootsausflug im indischen Ozean führte ihnen vor Augen, wie bedroht paradiesische Orte sind. Ohne langes Nachdenken war klar, dass sie etwas tun mussten. Sie änderten ihren Lebensstil und gründeten Ozeankind e.V.

Der Verein führt Bildungsprojekte mit Kindern durch und hat inzwischen eine richtige Bewegung ausgelöst. Immer mehr Menschen machen mit, verzichten auf Plastik im Alltag und organisieren Clean-Ups am Meer, am Fluss, am See. Jedes gesammelte Kilo kommt auf die virtuelle Ozeankind-Waage, die inzwischen knapp 54 Tonnen Müll anzeigt.

ozeankind plastikrebellen

Marina und Micha haben Ozeankind e.V. gegründet. Foto: Ozeankind e.V.

Für die beiden steht über allem die Erkenntnis, dass vor allem wir es sind, die etwas tun müssen:

„Wir, die wir in wohlhabenden Industriestaaten geboren sind weil auf unserem Los in der Geburtslotterie „Deutschland“ stand. Denn wir haben etwas, das viele Menschen an anderen Orten dieser Welt nicht haben: Alternativen.“

Mit dem Meeresrauschen Virtual zum Tag des Meeres 2020 unterstützen wir Ozeankind e.V. und ihre Community, die sich als „Plastikrebellen“ gegen die Vermüllung des Planeten einsetzt.

Jeder Plastikrebell sieht nicht mehr nur Probleme, sondern wird – nach der Philosophie von Ozeankind e.V. – Teil der Lösung.

Wir sind der festen Überzeugung, jeder kann im Alltag eine Menge tun. Gerade jetzt: Denn was viele von uns mehr zur Verfügung haben ist Zeit. Zum Beispiel bei jedem Spaziergang oder auch Run kann Müll, der einem „über den Weg läuft“, aufgehoben und in der nächsten Mülltonne entsorgt werden. Anstatt sich darüber zu beschweren, dass an dem Ort Müll liegt, eine positive Handlung starten. Man fühlt sich auch gleich viel besser.

Außerdem: Jedes Clean-Up, egal wo und von wem es auf der Welt im größeren Stil durchgeführt wird, ist wichtig. Doch ganz ehrlich? Wir müssen auch bei uns im Alltag anfangen, die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen, andere Produkte konsumieren, weniger konsumieren. Denn nur so schaffen wir es, den Müllberg auf Dauer zu verkleinern und somit gelangt auch weniger Müll in die Natur und in die Ozeane. (Marina von Ozeankind e.V.)

Gegen Plastik im Meer: Nachhaltige Verpackung, die sich im Wasser auflöst

In Brasilien geboren ist eine andere Idee, die das Plastikproblem in den Weltmeeren von hinten aufzäumt und nach einer anderen Art von Lösung sucht.

Edna Kleber-Belizario und Christoph Kleber haben eine nachhaltige Verpackung erfunden, die sich im Wasser selbst auflöst. Der „Nachhälter“ besteht aus Holzresten, die in einem Viskoseverfahren zu einer transparenten Folie umgewandelt werden.

Bei einem Besuch von Ednas Familie in Brasilien war den beiden das Problem des Plastikmülls nochmals deutlicher bewusst geworden. Ednas Familie betreibt schon in mehreren Generationen Biolandbau und warnt seit Jahrzehnten vor Plastikmüll. Auf dieser Reise hatten sich die beiden geschworen, selbst aktiv zu werden.

Zurück in Deutschland begann die Recherche. Für sie stand bald fest, dass „Unverpackt“ für die breite Masse der Menschen erstmal keine Lösung sein wird, Bioplastik aus Nahrungsmitteln sollte es auch nicht sein. Mit ihrer Idee haben sie „Das Ding des Jahres 2020“ bei Pro7 gewonnen. Mit Hilfe des Preisgelds wird weiter getüftelt und inzwischen auch expandiert.

Lasst uns Teil der Lösung sein

Die Veränderungen der letzten Wochen und Monate haben viele von uns ein ganzes Stück weit der Natur näher gebracht – ganz ohne Fernreisen. Ein wirklicher Wandel wird aber nicht ohne jeden Einzelnen von uns möglich sein, indem auch wir eben Teil der Lösung werden: Mit Verzicht auf Plastik, eigenen Clean-Up-Projekten und vor allem durch Aufklärungsarbeit.

Wenn wir bei unserem nächsten Crowdlauf „Plastikmeer – ist das fair?“ an den Start gehen, machen wir auf ein Thema aufmerksam, das uns alle angeht: Plastikmüll in den Weltmeeren.

Und auch, wenn wir in München, Berlin oder Frankfurt wohnen – in Städten, die vom Meer ziemlich weit entfernt sind, ist der Müll in den Ozeanen ein Problem, das uns dennoch betrifft. Und darum möchten wir mit unserem nächsten Crowdlauf auf dieses Thema aufmerksam machen und euch Tipps geben, was ihr ganz persönlich dafür tun könnt, dass die Meere sauber bleiben.

Warum schwimmt so viel Plastik im Meer?

Rund sechs Millionen Tonnen Plastik gelangen jährlich in die Ozeane. Doch wie kann das sein? Schließlich entsorgen sicher die wenigsten von uns ihren Müll bewusst und sorglos beim jährlichen Strandurlaub im Meer. Das Problem ist viel umfassender.

Eine der Ursachen ist die Nutzung von Einwegplastik. Flaschen, Tüten, Strohhalme – alles Dinge, die wir häufig und eher unbedacht nutzen. Doch gerade diese Artikel sind es, die dafür sorgen, dass immer mehr Plastik ins Meer gerät.

Besonders in Schwellen- und Entwicklungsländern fehlen Strukturen, um diesen Müll zu sammeln und zu verarbeiten. Denn das Recyceln der Abfälle, aber auch das Entsorgen ist teuer. Von öffentlicher Hand können diese Kosten in wirtschaftlich schlechter gestellten Ländern oft nicht gestemmt werden. Also haben die Menschen schlicht nicht die Möglichkeit, ihren Plastikmüll anständig zu entsorgen.

Dazu kommt: Länder wie Deutschland exportieren ihren Plastikmüll in andere Länder, da sich das Recycling hierzulande finanziell oft nicht lohnt. Und dort landet dann vielleicht auch unsere Plastiktüte vom Discounter im Ozean. Ganz ohne unser Wissen.

Einwegplastik landet im Meer
Unser Einwegplastik kann über mangelhaftes Recycling weit entfernt von uns im Meer landen

Doch es gibt noch weitere Ursachen für die Plastikflut in den Meeren:

  • Mikroplastik aus Kosmetikartikeln: Viele Cremes, Shampoos und Duschgele enthalten Mikroplastik. Dabei handelt es sich um kleinste Plastikpartikel, die etwa zum Binden von Stoffen verwendet werden. Mikroplastik entsteht aber auch, wenn zum Beispiel Tüten langsam zerfallen. Mit bloßem Auge lässt sich Mikroplastik häufig gar nicht erkennen. Und dennoch ist es ein Problem. Denn es lässt sich von den Kläranlagen nur sehr schwer aus dem Abwasser herausfiltern. Also gelangt es beinahe vollständig in die Gewässer.
  • Touristische Abfälle: Ein kleines Picknick am Strand, ein abendliches Lagerfeuer mit dem einen oder anderen Fläschchen Bier – auch durch den Tourismus an den Stränden kommt es zu Verschmutzungen, wenn Menschen ihren Plastikmüll nach dem Sonnenbaden einfach am Strand liegen lassen oder ihn in die Fluten werfen.
  • Verschmutzungen durch Schiffsbesatzungen: Trotz aller Verbote entsorgen viele Schiffe ihren Müll auf dem offenen Meer. Frei nach dem Motto „Wo kein Kläger, da kein Richter” gehen Plastikabfälle und Co. ganz einfach über Bord.

Was ist das Problem, wenn so viel Plastik in den Weltmeeren herumschwimmt?

Angeschwemmte Tüten und andere Abfälle sehen nicht nur unschön aus, der Müll gefährdet auch das Ökosystem im Meer. So sind nach Angaben des WWF fast die Hälfte der Meeressäuger- und Seevogelarten durch den Plastikmüll in den Meeren gefährdet. Tiere fressen Plastiktüten, weil sie diese etwa mit Quallen verwechseln, die sonst auf ihrem Speiseplan stehen, verfangen sich in achtlos entsorgten Netzen, in denen sie dann verenden oder sie verlieren ihre Lebensräume, weil sich dort der Plastikmüll ablagert.

Doch nicht nur die Meeresbewohner haben das Nachsehen. Mit jedem Fisch, den wir zubereiten, landet auch ein bisschen Plastik auf unserem Teller und damit in unserem Magen. Und das macht krank. Denn ungesunde Weichmacher, die verarbeitet werden, damit Plastik elastischer ist, und andere giftige Substanzen schädigen nicht nur den Organismus der Meeresbewohner, sondern auch unseren.

Was können wir persönlich tun, um die Verschmutzung der Meere zu verhindern?

Ganz wichtig ist es, weniger Müll zu produzieren. Sogenannte Zero-Waste-Bewegungen machen es vor und zeigen, dass der Alltag auch ohne Massen an Plastikmüll funktioniert. Denn je weniger Plastik wir tagtäglich verwenden, desto weniger Abfall landet letztlich im Meer.

Wer also zum Einkaufen einen Stoffbeutel mitnimmt und im Geschäft auf eine Plastiktüte verzichtet, trägt schon einmal einen Teil zum Schutz der Ozeane bei. Auch der Verzicht auf Einwegflaschen spielt eine wichtige Rolle. Und wer auf einen Kaffee unterwegs nicht verzichten möchte, sollte immer einen eigenen Becher dabei haben. Der Kauf von Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt statt eingeschweißt beim Discounter ist auch eine gute Möglichkeit, den persönlichen Plastikmüll zu reduzieren.

Mit Apps wie „Replace Plastic“ vom Verein „Küste gegen Plastik“ kannst du außerdem die Barcodes von Produkten scannen, die in Plastik verpackt sind. So teilst du den Anbietern der Produkte mit, dass du dir Verpackungen ohne Plastik wünschst.

Jeder kann also ohne viel Aufwand und Verzicht einen wichtigen Beitrag leisten. Starten wir also mit unserem nächsten Crowdlauf „Plastikmeer – ist das fair?“ , dann gehen wir für die Ozeane, die Meerestiere und letztlich auch für uns durchs Ziel.