Im Jahr 2020 gab es bei Crowdlauf große Charity Virtual Runs für die Berliner Kinderhilfe und für das Deutsche Medikamenten-Hilfswerk action medeor. Kinder und medizinische Versorgung waren die zentralen Themen des Jahres bei uns.

Umso mehr freut es uns, dass wir für den letzten großen Virtual Run 2020 noch einmal die Brücke zwischen beidem schlagen können:

Wir laufen für die “Schmetterlingskinder” und setzen damit ein wichtiges Zeichen für Menschen, die mit der seltenen Hauterkrankung Epidermolysis bullosa (EB) leben.

Die Patientenorganisation DEBRA Austria setzt sich seit 25 Jahren für die Anliegen der “Schmetterlingskinder” ein.

“Schmetterlingskinder” – Little Heroes

So verletzlich wie die Flügel eines Schmetterlings ist die Haut eines Kindes, das mit der seltenen Hauterkrankung EB lebt. Ursache ist eine Genmutation, die bewirkt, dass die Eiweißverbindung zwischen den einzelnen Hautschichten gar nicht oder fehlerhaft ausgebildet wird.

So entstehen schon bei der geringsten Belastung schmerzhafte Blasen und Wunden, die mehrmals am Tag frisch verbunden werden müssen. An ein normales Leben mit Spielen, Rennen, Toben und Hinfallen ist damit nicht zu denken.

Die Chance, mit EB zur Welt zu kommen, beträgt 1 zu 17.000. “Kleine Helden” nennt DEBRA Austria deshalb die “Schmetterlingskinder”, weil sie trotz dieser massiven Beschwerden ihren Alltag so gut es geht meistern.

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Ein “Schmetterlingskind” beim Verbandswechsel. Foto: (c) Culumnatura / DEBRA Austria

Viele von ihnen kämpfen mit vielfältigen und schwerwiegenden Symptomen.So wachsen die Finger und Zehen der kleine Emilia nach und nach zusammen. Sie kann kaum mehr nach etwas greifen und immer schlechter laufen. Auch Mund und Speiseröhre sind in Mitleidenschaft gezogen: Emilia hat Schmerzen beim Essen und Schlucken.

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“Schmetterlingskind” Emilia kämpft mit schwerwiegenden Begleitsymptomen. Foto: (c) R. Hametner / DEBRA Austria

DEBRA Austria: Hilfe für die “Schmetterlingskinder”

Anfang der 1990er Jahre wurde “Schmetterlingskind” Lena geboren – und brachte eine Menge Fragen für ihre Eltern mit. Ihr Vater, Rainer Riedl, gründete schließlich vor 25 Jahren den Selbsthilfeverein DEBRA Austria, der betroffene Familien vernetzt.

Gemeinsam suchten die Eltern nach Antworten auf Fragen wie dem besten Verbandsmaterial, nach kompetenten Ärzten und danach, ob Heilung möglich ist.

Zehn Jahre später entstand dank der Unterstützung vieler Spender das EB-Haus Austria. Diese Spezialklinik für “Schmetterlingskinder” ist heute aus dem Leben der EB-Betroffenen nicht mehr wegzudenken. “Schmetterlingskind” Lena erinnert sich selbst noch besonders an ihre Fahrten ins EB-Haus Austria:

“Mindestens zweimal im Jahr fuhren wir zu den Untersuchungen und Behandlungen. Das habe ich großteils positiv in Erinnerung: Wir wurden immer herzlich empfangen, gut betreut und kompetent beraten.”

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Arzt mit betroffenem “Schmetterlingskind” im DEBRA Haus Austria in Salzburg. Foto: (c) L. Schedl / DEBRA Austria

Medizin und Forschung für “Schmetterlingskinder” – Charity-Run von Crowdlauf

Noch ist eine Heilung von EB nicht möglich. Doch das EB-Forschungsteam von DEBRA Austria arbeitet international vernetzt und sehr intensiv daran, die Krankheit weiterhin besser behandelbar und irgendwann heilbar zu machen.

Die Erkrankung trifft nicht nur Kinder, sondern begleitet die “Schmetterlingskinder” ein Leben lang, wobei die Lebenserwartung vieler Betroffener aufgrund von EB verkürzt ist.  Die EB-Forschung stützt sich auf verschiedene erfolgsversprechende Ansätze, einer davon ist die Gentherapie.

Neben der Forschung unterstützt DEBRA Austria die “Schmetterlingskinder” und ihre Familien mit kompetenter medizinischer Versorgung und Beratung, finanziert auch Hilfsmittel wie etwa Rollstühle, Therapiefahrräder und stellt psychologische Unterstützung bereit. Es gibt auch Hilfestellung für Familien in Notsituation.

“Trotz vielfältiger Einschränkungen dem Leben mit Optimismus begegnen” – das ist das Motto vieler EB-Patienten, so DEBRA Austria.

Mit dem Little Heroes Virtual Run unterstützen wir DEBRA Austria und die vielen kleinen Helden da draußen – und machen auf ihre wichtige Anliegen aufmerksam.

Auch Wochen nach der katastrophalen Explosion in Beirut gibt es für die Bewohner des Libanon noch keine Entwarnung, was ihre Gesundheitsversorgung angeht: Nicht nur sind drei Krankenhäuser schwer beschädigt, darunter mit dem Saint-George-Hospital eines der wichtigsten Krankenhäuser das Libanon – bei der Explosion wurden auch im Hafen lagernde medizinische Güter zerstört.

Nach Angaben der WHO sind mehr als die Hälfte der medizinischen Versorgungseinrichtungen nicht mehr einsatzbereit.

Was Menschen nach Katastrophen hart und plötzlich trifft, ist für andere trauriger Alltag: Wenn man krank wird, ist es an vielen Orten der Welt schwer, Hilfe zu bekommen.

So auch im lateinamerikanischen Guatemala, an der Grenze zu Mexiko: Vor allem die indigene Bevölkerung lebt zum Großteil unter der Armutsgrenze. Besonders die Mütter- und Kindersterblichkeitsrate ist aufgrund der schlechten medizinischen Versorgung hier besonders hoch.

Der Staat ist nicht zu sehen – lokale Gesundheitsversorger*innen übernehmen es, für sauberes Wasser, Hygiene bei Lebensmitteln und im Sanitärbereich zu sorgen oder lokale Heilmittel anzupflanzen, zu verarbeiten und auszugeben. Doch sie brauchen Unterstützung.

Verschlechterung der medizinischen Situation durch Corona

Wie in Guatemala oder Beirut, ist es auch an vielen anderen Orten der Welt die gemeinnützige Organisation action medeor, die sich für eine Basisgesundheitsversorgung und eine gerechte Verteilung qualitativ hochwertiger Medikamente einsetzt – wir unterstützen sie mit unserem Heal the World Virtual Run.

action medeor arbeitet über lokale Partner, die Wissen über Veränderungsprozesse vor Ort haben. Ihr Ziel ist es, lokale Strukturen so zu stärken, dass action medeor vor Ort langfristig nicht mehr gebraucht wird.

Klar wird das an folgendem Beispiel:

Während wir, wenn wir krank sind, einfach zum Arzt gehen, müssen Menschen vor allem in ländlichen Regionen in Afrika, Asien oder Lateinamerika mehr als 100 Kilometer zu Fuß gehen, um medizinische Hilfe zu erhalten – das geht zu weit. Das ist eine Tatsache, die sehr betroffen stimmt und die Ungerechtigkeit, die auf dieser Welt herrscht, widerspiegelt. 100 Kilometer Fußweg zum nächsten Krankenhaus/Apotheke/Arzt bedeutet nämlich auch, dass man nicht mit den kleinsten Wehwehchen direkt zum Arzt läuft. Ob man die 100 Kilometer tatsächlich auf sich nimmt, muss gut überlegt sein. Wenn man sich entschließt, dann doch zum Arzt zu gehen, ist der Gesundheitszustand oft schon so schlimm, dass der Fußweg noch anstrengender ist als sowieso schon. (Linda Merse, action medeor)

Im Jahr 2020 hat die Arbeit von action medeor neue Dimension bekommen: Das Coronavirus macht eine bessere medizinische Versorgung, mehr Aufklärung, bessere hygienische Verhältnisse und mehr Schutzkleidung erforderlicher denn je.

Aber nicht nur das Virus selbst sorgt dafür, dass sich die Ungleichverteilung der weltweiten medizinischen Versorgung nochmals verschärft. So berichtete action medeor Vorstand Sid Peruvemba noch im August: „Durch die Lockdowns funktionieren die Warenströme und Versorgungsketten nicht mehr. Die Menschen verlieren ihre Existenzgrundlage, gleichzeitig steigen die Preise für Lebensmittel und Medikamente. Wir merken bereits jetzt, dass Hunger und Krankheiten sich weiter ausbreiten.“

likuni hospital malawi

Nicht nur Lateinamerika oder Beirut – ein Schwerpunkt der Arbeit von action medeor ist in Afrika. Auf dem Bild: das Likuni Hospital in Malawi. (Foto: Boris Breuer / action medeor)

Medikamente gegen Corona: Wie sollen sie global gerecht verteilt werden?

Internationale Organisationen warnen: Wenn es erst mal wirksame Medikamente und Impfstoffe gegen Corona gibt, werden die Länder des globalen Südens schnell vergessen sein.

Schon jetzt sichern sich westliche Staaten durch Investitionen Millionen von Impfdosen, Patentrechte auf Medikamente sind im Gespräch – denn gerade die großen Pharmafirmen, die bereits Patente auf etwa lebenswichtige HIV-Medikamente halten, sind jetzt wieder vorne dran, was die Coronaforschung angeht.

Sind das alles Vorzeichen auf Verteilungskämpfe, die ausbrechen werden und die Gräben zwischen armen und reichen Ländern vertiefen? Oder kann sich die globale Solidarität durchsetzen?

Die schlimmste Diagnose: Hilflosigkeit. (Action Medeor)

Bereits jetzt ist allerdings klar: Überlastete Gesundheitssysteme töten – auch bei uns vor der Tür, wie die erschreckenden Bilder aus Bergamo zeigten.

Global gesehen trifft Corona auch auf eine Ungleichverteilung von bereits grassierenden Krankheiten. „Wir befürchten inzwischen wieder einen Anstieg von Krankheiten wie Malaria, HIV/Aids oder Tuberkulose, bei deren Bekämpfung wir in den vergangenen Jahren durchaus Erfolge vorweisen konnten“, sagt Peruvemba.

Denn neben der Bekämpfung der Corona-Pandemie dürfe eines nicht vergessen werden: „In Entwicklungsländern sterben nach wie vor 2,6 Millionen Menschen jedes Jahr an Tuberkulose, HIV/Aids und Malaria. Das bedeutet, dass in den ersten vier Monaten dieses Jahres über 850.000 Menschen an diesen behandelbaren Krankheiten gestorben sind – fast fünfmal so viel wie im gleichen Zeitraum an Corona.“

Ein Zeichen der Hoffnung setzen: Aufmerksamkeit und Spenden

Durch das Coronavirus ist das Thema Gesundheitsversorgung näher an uns alle gerückt: Wir dürfen aufatmen, weil eine Überlastung des Gesundheitssystems bei uns bisher ausgeblieben ist und darauf hoffen, dass auch schwere Fälle eine adäquate Behandlung bekommen.

Doch es ist jetzt nötiger denn je, sich für eine Verbesserung des Gesundheitssystems und eine gute medizinische Versorgung einzusetzen – im eigenen Land und weltweit – und ein Zeichen dafür zu setzen, dass die Hoffnung auf bessere Zeiten nicht nur für uns, sondern für alle Menschen auf der Welt gilt.

Morticia besitzt ein Tättowier- und Piercingstudio hoch oben im Norden Deutschlands – direkt an der Nordsee. Als Crowdlauf Anfang April die Selbstständigen aus der Community auf Instagram und Facebook fragte, wie es ihnen derzeit geht, antwortete Morticia: „Die Kosten laufen weiter… Einnahmen natürlich nicht. Es nützt ja nichts. Irgendwie muss ich das schaffen.“

Drei Monate später gehört Morticia zu denen, die sagen können, dass sie glimpflich durch die Corona-Krise gekommen sind: „Wir Tattoostudios haben es insofern ganz gut, dass wir Kunden haben, die nicht wegbrechen. Sie haben einen Wunsch, der sich zu späterem Zeitpunkt nachholen lässt und aufgeschoben, jedoch nicht aufgehoben werden muss.“

Ihr Laden ist wieder geöffnet und auch die Umstellung auf neue Hygieneregeln war – für ein Tattoostudio, in dem schon immer hohe Standards gelten – nicht schwer.

morticia tattoostudio

Wie antwortet Morticia auf die Frage, wie sie in die Zukunft blickt? So: „Na, positiv natürlich!“ (Bild: Morticia privat)

Die Krise macht Schwachpunkte der Gesellschaft sichtbar

„Mental hat mich dieses Vollschließung allerdings schon in eine echte Existenzangst gebracht“, sagt Morticia aber auch – und sie glaubt, dass „Verschieben und Vertrösten von Kunden“ noch eine längere Zeit präsent bleiben werden, und auch, dass sich Planen und Vorsorgen in der Zukunft ändern könnten. Trotzdem bleibt sie optimistisch.

Gesellschaftlich gesehen sind mit der Corona-Krise einige – zwar längst bekannte, aber gern verdrängte – Themen auf die Tagesordnung gekommen.

  • Gesundheitssystem: Wer hat wie Zugang? Wie können die Ressourcen verteilt werden?
  • Demokratie: Welche Maßnahmen werden wie ausgehandelt? In welchen Staatsformen fühlen sich Bürger beschützt, kontrolliert, gleich behandelt?
  • Arbeitsbedingungen: Nicht nur im Gesundheitssystem, auch in der Fleischproduktion und auf dem Bau werden alte Defizite jetzt deutlich sichtbar.
  • Tierwohl und Umweltschutz: Obwohl das Virus den Menschen befällt, rückt es über Umwege katastrophale Zustände im Umgang mit Tieren in den Fokus.
  • Ernährung und Gesundheit: Über die eigene Gesundheit, aber auch das Thema Tierwohl, beschäftigen sich viele nochmals neu mit der eigenen Ernährung – mit gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen.

Corona-Krise and Beyond: Solidarität braucht neue Formen

Auf solche Fragen braucht es neue Antworten, finden unter anderem die Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens. Die Idee dahinter: Alle Menschen erhalten von Geburt bis zum Tod einen bestimmten Betrag vom Staat – als Absicherung und ohne Gegenleistung.

Gestritten wird darüber, ob Menschen mit Grundeinkommen weniger arbeiten würden und sich insgesamt egoistischer verhielten – oder ob genau das Gegenteil der Fall wäre: Soziale und kreative Arbeiten könnten interessanter werden, weil sie für einige das Leben mit mehr Sinn füllen – unbeliebtere Arbeiten müssten dagegen anders entlohnt werden als bisher.

Bedingungsloses Grundeinkommen: Jetzt schon Zukunft spielen

Ohne es auszuprobieren, wird man nie Antworten auf diese Fragen haben – findet der Verein Mein Grundeinkommen e.V. Er verlost monatlich Grundeinkommen für mehrere Menschen, jeweils für sechs bis 12 Monate. Die Tests werden begleitet und ausgewertet und zeigen demnach vor allem: Das Geld löst Veränderungen aus, weil es nicht an Bedingungen geknüpft ist.

„In Praxistests nutzen Menschen das Mehr an Freiheit durch das Grundeinkommen dazu, wieder besser zu sich selbst zu sein: Sie schlafen besser, leben gesünder, sind körperlich aktiver und insgesamt zufriedener“, sollen fünf Jahre Verlosungen ergeben haben.

Geht es einer Person besser, haben alle etwas davon, meint der Mein Grundeinkommen e.V. – eigenes Wohlbefinden mache solidarisch: „Es ist diese individuelle Zufriedenheit, die zu mehr Gemeinschaft führt – weil sie frei gewählt und aus Lust heraus geboren ist.“

bedingungsloses grundeinkommen

Geld kann solidarisch machen, wenn es bedingungslos kommt – sagen Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens (Bild: Pixabay.com)

Krise als Neustart: Der Weg zu Veränderung führt über Werte

In seinem Buch „Krise als Neustart“ schreibt der Psychiater und Autor Jan Kalbitzer aus Berlin, dass die aktuelle Krise nicht nur das Gute aus den Menschen hervorbringe, sondern „innerfamiliäre Beziehungen und Freundschaften auf den Prüfstand stelle“.

Durch Corona werde etwa plötzlich sichtbar, wer zugunsten anderer auf etwas verzichten kann, wer schnell zum Denunzianten wird oder wer sich an der Krise bereichert – und das schmerzhafterweise auch bei Menschen aus dem Familien- und Freundeskreis.

Sein Buch war schon lange vor Corona in Arbeit – bezogen auf individuelle Lebenskrisen. Dass Corona jetzt als globale Krise alle – in unterschiedlichen Formen – trifft, ist für Kalbitzer (ohne das Leid beschönigen zu wollen) auch Chance:

  1. Erstens führt das gemeinsame Erleben einer Krise zu mehr Verständnis untereinander
  2. Zweitens können durch die aktuellen Veränderungen im Alltag leichter neue Verhaltensmuster eingeführt werden
  3. Drittens werden jetzt grundlegende Werte bewusst (etwa Gesundheit und Familie) – was sich auch in größeren, gesellschaftlichen Veränderungen auswirken kann

Sein Buch ist eine Anleitung, sich bewusst zu werden, was das eigene Leben blockiert – aber auch, sich auf die eigenen Werte zu besinnen und das Leben danach auszurichten. Das geschieht nicht im stillen Kämmerchen, sondern laut Kalbitzer am besten mit einer vertrauenswürdigen Person aus dem nicht zu nahen Umfeld. Also: In Solidarität.

Die Vergessenen der Krise

Morticia hätte sich gewünscht, dass die Tattöwiererbranche die Wiedereröffnung nicht erst hätte einklagen müssen – man hatte die Tättowierer vergessen, so ihr Eindruck.

Sich abgehängt und vergessen zu fühlen, ist einer der größten Energiekiller. Doch vermittelt sich in der Krise eines leider auch schnell: Man ist ziemlich oft auf sich selbst zurückgeworfen und kann darüber andere vergessen, sowohl im Kleinen als auch in der großen Politik.

Dabei zeigt sich jetzt ebenso deutlich wie nie, dass wir auf andere angewiesen sind – denn schon nächste Woche können wir es sein, die ein positives Testergebnis erhalten oder einen Job nicht mehr machen können (aus welchen Gründen auch immer), und dann gute Ärzte und gute Freunde brauchen.

Solidarität mit anderen ist also ein Geschenk, das man geben kann, auf das man für sich hoffen kann.

Neue Solidarität: Mut haben und jenseits aller Grenzen denken

Studien während der Krise haben gezeigt, dass wir Solidarität oft nur zeigen, solange sie bequem ist. Dass wir bei aller Solidarität nicht nur an die denken sollten, denen wir uns aus irgendwelchen Gründen verbunden fühlen – ältere Personen, Familien mit Kindern, ein Land, das wir gerne bereisen –, dass Solidarität grenzenlos und immer kritisch sein muss, dass niemand zurückbleiben sollte, darauf machen Organisationen wie medico international derzeit vehement aufmerksam.

Wie wäre es damit? Wir nehmen uns – frei nach Jan Kalbitzers Buch – Zeit, uns klarzumachen, für welche Werte wir einstehen. Was bedeuten Freiheit, Gesundheit, Wohlbefinden, Glück, Gleichberechtigung, für uns?

Und fassen uns dann den Mut, gemeinsam Gutes zu tun und für diese Werte einzustehen – sichtbar geworden gerade eben auch durch Black Lives Matter.

Nah an der westlichsten Spitze des afrikanischen Kontinents: Ein Strand, an dem sich Surfer treffen, Jugendliche und Familien zum Baden kommen, dazwischen Schafe und bunte Pirogen, die Fischerboote der heimischen Fischer.

Ab und an setzen Boote über zu einer vorgelagerten Insel. Wenn am Samstagmorgen die Familien am Strand von Ngor eintreffen, dann liegen die frisch gefangenen Fische längst in den Kühltruhen am Strand, bereit für den Weiterverkauf.

Doch der paradiesische Eindruck ist getrübt.

„Man sieht Süßigkeitenverpackungen, Becher, Tüten, Einwegverpackungen, sogar Schuhe“, erzählt Kadiatou. Die Schülerin aus Dakar beteiligt sich zum „Tag des Meeres“ mit Freunden immer wieder an einer Müllsammelaktion, bei der gerne mal zwei Tonnen Müll gesammelt werden – an nur einem Tag.

Teile davon holt sich an anderen Tagen das Meer – Stück für Stück mit jeder Welle.

So kommt der Müll ins Meer

Steht man hier am Strand, wird plötzlich so bildhaft klar wie sonst kaum, wie es passieren konnte, dass unsere Meere voll mit Plastikabfällen sind.

Dabei sind Strandszenen wie hier nur ein Teil des Problems. Plastik gelangt auch von Schiffen ins Meer, durch Mülldeponien in Asien (die auch unseren Müll immer noch aufnehmen) und von Mikroplastik in unseren Kosmetikartikeln und Klamotten.

Und auch hier im Senegal wird gegen das Problem schon lange vorgegangen: Im Jahr 2015 wurde mit großen Kampagnen die Plastiktüte verboten, seit 2006 gibt es im Dorf Thiès, etwa 70 Kilometer entfernt von Dakar, eine Recyclinganlage, wo Plastikmüll aus den Straßen für die Industrie umverarbeitet wird.

Auch viele herkömmliche, lokale Ideen werden wieder wichtiger: Schon längst werden Bastkörbe für Einkäufe auf dem Markt benutzt und anstatt sich mittags Essen to go in Plastikverpackungen zu holen, isst man hier oft gemeinsam mit Kollegen aus einer großen Schüssel, die einfach wieder zurückgebracht wird.

plastik strand senegal

Plastikmüll am Strand von Dakar – das Surferparadies ist bedroht. Foto: Valentina Aversano-Dearborn / Forum ViA (Wien)

Plastik im Meer: Mit der Fünfer-Regel weltweit gegen Müll

Allein – es gibt weiterhin viel zu wenige Mülltonnen, findet nicht nur Kadiatou. Wenn sie ihren Freunden sagt, sie sollten ihren Müll nach dem Strandbesuch wieder mitnehmen, erntet sie oft nur schiefe Blicke.

Sie versucht, eine Fünfer-Regel zu etablieren: Nach dem Strandbesuch für fünf Sekunden auf den Boden blicken und mindestens fünf herumliegende Teile mitnehmen.

Dass diese Regel auch bei uns funktionieren könnte, ist klar. Auch hier findet sich Plastikmüll an Seestränden und Flüssen, wenn auch nicht immer ganz so offensichtlich wie am Strand von Ngor.

Und ein Blick in die Zahlen zeigt, dass man in Deutschland pro Kopf etwa 37 Kilo Plastikmüll im Jahr verursacht, in Senegal dagegen nur zwölf.

Fast die Hälfte des Mülls wird in Deutschland allerdings recycelt, der Rest größtenteils verbrannt. Im Senegal liegt der Anteil des Recyclings noch im einstelligen Prozentbereich und immer noch landen mehrere Tausend Tonnen Plastikmüll nicht auf der Verbrennungsanlage, sondern in der Natur.

Ein neues Leben für das Meer: Ozeankind e.V.

Es war auch ein Schock auf einer Reise, der Marina und Micha zum Umdenken brachte. Ein Bootsausflug im indischen Ozean führte ihnen vor Augen, wie bedroht paradiesische Orte sind. Ohne langes Nachdenken war klar, dass sie etwas tun mussten. Sie änderten ihren Lebensstil und gründeten Ozeankind e.V.

Der Verein führt Bildungsprojekte mit Kindern durch und hat inzwischen eine richtige Bewegung ausgelöst. Immer mehr Menschen machen mit, verzichten auf Plastik im Alltag und organisieren Clean-Ups am Meer, am Fluss, am See. Jedes gesammelte Kilo kommt auf die virtuelle Ozeankind-Waage, die inzwischen knapp 54 Tonnen Müll anzeigt.

ozeankind plastikrebellen

Marina und Micha haben Ozeankind e.V. gegründet. Foto: Ozeankind e.V.

Für die beiden steht über allem die Erkenntnis, dass vor allem wir es sind, die etwas tun müssen:

„Wir, die wir in wohlhabenden Industriestaaten geboren sind weil auf unserem Los in der Geburtslotterie „Deutschland“ stand. Denn wir haben etwas, das viele Menschen an anderen Orten dieser Welt nicht haben: Alternativen.“

Mit dem Meeresrauschen Virtual zum Tag des Meeres 2020 unterstützen wir Ozeankind e.V. und ihre Community, die sich als „Plastikrebellen“ gegen die Vermüllung des Planeten einsetzt.

Jeder Plastikrebell sieht nicht mehr nur Probleme, sondern wird – nach der Philosophie von Ozeankind e.V. – Teil der Lösung.

Wir sind der festen Überzeugung, jeder kann im Alltag eine Menge tun. Gerade jetzt: Denn was viele von uns mehr zur Verfügung haben ist Zeit. Zum Beispiel bei jedem Spaziergang oder auch Run kann Müll, der einem „über den Weg läuft“, aufgehoben und in der nächsten Mülltonne entsorgt werden. Anstatt sich darüber zu beschweren, dass an dem Ort Müll liegt, eine positive Handlung starten. Man fühlt sich auch gleich viel besser.

Außerdem: Jedes Clean-Up, egal wo und von wem es auf der Welt im größeren Stil durchgeführt wird, ist wichtig. Doch ganz ehrlich? Wir müssen auch bei uns im Alltag anfangen, die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen, andere Produkte konsumieren, weniger konsumieren. Denn nur so schaffen wir es, den Müllberg auf Dauer zu verkleinern und somit gelangt auch weniger Müll in die Natur und in die Ozeane. (Marina von Ozeankind e.V.)

Gegen Plastik im Meer: Nachhaltige Verpackung, die sich im Wasser auflöst

In Brasilien geboren ist eine andere Idee, die das Plastikproblem in den Weltmeeren von hinten aufzäumt und nach einer anderen Art von Lösung sucht.

Edna Kleber-Belizario und Christoph Kleber haben eine nachhaltige Verpackung erfunden, die sich im Wasser selbst auflöst. Der „Nachhälter“ besteht aus Holzresten, die in einem Viskoseverfahren zu einer transparenten Folie umgewandelt werden.

Bei einem Besuch von Ednas Familie in Brasilien war den beiden das Problem des Plastikmülls nochmals deutlicher bewusst geworden. Ednas Familie betreibt schon in mehreren Generationen Biolandbau und warnt seit Jahrzehnten vor Plastikmüll. Auf dieser Reise hatten sich die beiden geschworen, selbst aktiv zu werden.

Zurück in Deutschland begann die Recherche. Für sie stand bald fest, dass „Unverpackt“ für die breite Masse der Menschen erstmal keine Lösung sein wird, Bioplastik aus Nahrungsmitteln sollte es auch nicht sein. Mit ihrer Idee haben sie „Das Ding des Jahres 2020“ bei Pro7 gewonnen. Mit Hilfe des Preisgelds wird weiter getüftelt und inzwischen auch expandiert.

Lasst uns Teil der Lösung sein

Die Veränderungen der letzten Wochen und Monate haben viele von uns ein ganzes Stück weit der Natur näher gebracht – ganz ohne Fernreisen. Ein wirklicher Wandel wird aber nicht ohne jeden Einzelnen von uns möglich sein, indem auch wir eben Teil der Lösung werden: Mit Verzicht auf Plastik, eigenen Clean-Up-Projekten und vor allem durch Aufklärungsarbeit.

  • Mehrere Tausend Kinder leben in Deutschland auf der Straße – Schätzungen liegen zwischen 2.500 und 6.500.
  • Probleme im Elternhaus und in Jugendhilfeeinrichtungen sind die Hauptursache.
  • Damit Kinder nicht auf der Straße landen, müssen Hilfsangebote vielfältig sein.

„Meine Mutter hat mich mit zehn rausgeschmissen, weil ich komme nach meinem Vater. Und sie hasst meinen Vater“, erzählte der 17-jährige Nico gegenüber Spiegel TV vor ein paar Jahren.

Die Gründe dafür, dass auch im reichen Deutschland Kinder auf der Straße landen, sind vielfältig. Schätzungen zufolge sind es mindestens 2.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, die auf der Straße leben. Oft ist die Situation nur vorübergehend, manchmal schaffen die Kinder und Jugendlichen aber den Weg zurück nicht mehr.

Vor allem in Großstädten leben obdachlose Minderjährige – doch sie stammen auch aus kleineren Städten und sind nur in die großen Städte gezogen, weil es dort – trotz allem – mehr Möglichkeiten für sie gibt.

Diese Altersgruppe ist am Stärksten betroffen

Bei einer deutschlandweiten Befragung von Kindern und Jugendlichen, die bereits auf der Straße gelebt haben, ermittelte das Deutsche Jugendinstitut (DJI) im Jahr 2016, dass fast ein Drittel der jungen Menschen zwischen 14 und 24 Jahren, die auf der Straße leben, 18 oder 19 Jahre alt sind. 14 Jahre oder jünger waren demnach nur etwa 5 %.

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Damit bestätigt sich, was Sozialverbände schon länger kritisieren: Wer gerade erwachsen wird, hat die größte Wahrscheinlichkeit, durch die sozialen Netze zu fallen – weil weder Angebote der Kinder- und Jugendhilfe greifen, die jungen Leute aber gleichzeitig noch keinen guten Zugang zu Absicherungen für Erwachsene haben, wie die Grundsicherung, Arbeitsförderungen oder Sozialhilfe.

Trotzdem gibt es auch immer wieder Kinder, die durch die Netze fallen – in der Studie waren es immerhin 25 %. Wie hoch die Anzahl tatsächlich ist, kann nur schwer abgeschätzt werden.

Das sind die Gründe für ein Leben auf der Strasse

Unter den minderjährigen auf der Straße Lebenden liegt in der Studie des DJI der Anteil der Mädchen höher als der Anteil der Jungen – ein Grund dafür könnte aber auch sein, dass sich Mädchen früher Hilfe in Jugendhilfeeinrichtungen holen und daher den Interviewern der Studie auch häufiger begegneten.

Dass Kinder auf der Straße leben müssen, liegt in den meisten Fällen an der Situation in der Herkunftsfamilie. Massive psychische oder physische Gewalt, sexueller Missbrauch oder auch eine prekäre Wohnungs- und Finanzsituation der Eltern können die Gründe dafür sein, dass Kinder die Familie verlassen oder vor die Tür gesetzt werden.

Doch viele der Kinder, die ohne festen Wohnsitz leben, hatten auch Schwierigkeiten in Jugendhilfeeinrichtungen, diese können die Abwärtsspirale sogar verstärken, wenn Kinder hier kein Vertrauen schließen können.

angst depression gewalt

Für die Buchautorin Sabrina Tophofen, die von ihrem Vater missbraucht und nach einer Anzeige von der Polizei in ein Pflegeheim gebracht worden war, wurde das Pflegeheim – als Zehnjährige war sie die Jüngste dort – zum Alptraum: „Es gab Gitter vor den Fenstern und abgeschlossene Türen. Und die Mädchen machten mir das Leben schwer. Sie lockten mich in ein Zimmer und rasierten meine Haare ab. Für mich gab es nur den Gedanken: Entweder ich komme hier raus, oder ich muss sterben.“

Ein anderes Mädchen habe ihr geholfen zu fliehen, so erzählte sie Brigitte.de. Sie bekam Kontakte zu Menschen, die auf der Straße lebten – und schloss sich ihnen an.

So sieht das Leben der Kinder auf der Strasse aus

Ohne festen Wohnsitz zu sein – das war das Kriterium für die Studie des DJI. Demnach lebt nur ein Drittel der Kinder auf der Straße, zwei Drittel sind aber – zumindest vorübergehend – anderweitig untergekommen, etwa bei Freunden. Trotzdem empfinden die Jugendlichen die Straße als Lebensmittelpunkt. 

Sabrina Tophofen schloss sich an ihrem ersten Tag einer Clique an: „Mit einem Jungen war ich oft unterwegs. Er beschützte mich immer, und wenn ich nachts am Hauptbahnhof unterwegs war, dann hat er mich dort nie allein gelassen. Er hat neben mir im Sitzen geschlafen. Weil ich mich nicht hinlegen wollte. Ich schlief fast nur tagsüber, habe mich irgendwohin gehockt und eine halbe Stunde gedöst.“

Was sie erzählt, wirkt erstmal paradox, doch ist es für viele Jugendliche auf der Straße die Realität: „Auch wenn das Leben auf der Straße schwierig war, ich habe mich zum ersten Mal in meinem Leben sicher gefühlt. Vor allem mit diesen Menschen, die sofort meine Freunde waren. Die haben mich so behandelt, als wäre ich ein toller Mensch. (…) Ich kannte so etwas ja gar nicht. Weder von zu Hause noch aus dem Heim.“

Auch bei ihr folgten, wie bei vielen anderen, Drogenepisoden – vor allem LSD habe ihr die Angst vor ihrem Vater oder der Polizei genommen, aber Verfolgungswahn erzeugt, wenn die Wirkung nachließ.

Kinderhilfe: Hier setzen die Hilfsangebote an 

Dass das Leben der betroffenen Kinder sehr unstet ist, führt dazu, dass der Übergang zwischen dem Leben auf der Straße und in einer Hilfseinrichtung fließend ist: Ein grundsätzlich guter Ansatzpunkt  für Hilfsangebote. 

Aufsuchende Sozialarbeit – also Streetwork – ist für einige auf der Straße Lebende der erste Kontakt zu den Hilfseinrichtungen. Andere kommen durch offene Angebote zu den Sozialarbeitern.

Der Berliner Verein Straßenkinder e.V. erzählt von seiner Arbeit: „Vielen Kindern und Jugendlichen, die wir betreuen, haben deren Eltern noch nie im Leben eine warme Mahlzeit gekocht. Wir glauben, dass jedes Kind so wertvoll ist, dass man es mit seinen Problemen ernst nehmen muss, sich Zeit nehmen sollte, in Gesprächen wirklich aufmerksam zuzuhören und versuchen, eine Beziehung aufzubauen.“

Die Angebote reichen von warmen Essen und Notversorgung wie einer Kleiderkammer und Waschmöglichkeiten über Erlebnispädagogik – wie Freizeitangebote, Ausflüge, kleine Reisen – bis hin zu Rechtsberatung.

Bildung und Ernährung verbessern

Den Zusammenhang zwischen Armut und sozialer Ausgrenzung zieht auch das Schutzengelwerk in Berlin. Wer von Armut bedroht ist – und das ist immerhin jedes vierte Kind in Berlin – läuft auch Gefahr, durch fehlende Teilhabemöglichkeiten von Gleichaltrigen ausgegrenzt zu werden.

Gerade nachhaltige Bildung und sportliche Angebote stärken das Selbstwertgefühl der Kinder und lassen sie gegen mögliche Angriffe innerhalb und außerhalb der Familie robuster werden. Mit Therapie- und Freizeitangeboten – auch in der Natur außerhalb der Stadt – werden Defizite aufgefangen und langfristig neue Perspektiven mit den Kindern entwickelt.

Deutschland ist ein reiches Land. Und trotzdem sind mehr als 2 Millionen junge Menschen hierzulande von Kinderarmut betroffen. 

Kinderarmut bedeutet nicht nur Aufwachsen in Familien, in denen wenig Geld zum Leben da ist. Kinderarmut geht oft einher mit Defiziten in Ernährung, Gesundheit, psychischer Stabilität, Bildung und gesellschaftlicher Teilhabe.

Mit unserer neuen Charity-Aktion, dem Kinderhilfe Virtual Run, möchten wir einen Beitrag leisten, um sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen zu helfen. Diese Charity-Aktion ist eine Erweiterung des Berliner Kinderhilfe Laufcups.

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Der Virtual Run zum Berliner Kinderhilfe Laufcup 2020

In diesem Jahr findet zum ersten Mal der Berliner Kinderhilfe Laufcup statt. Er wird von Melli und Lucas von Laufleistung Hoch 3 organisiert. 

Der Laufcup startet am 23. Februar 2020. Bei insgesamt 18 Lauf-Veranstaltungen in und um Berlin haben Läuferinnen und Läufer die Möglichkeit, für einmalig 10 € am Laufcup teilzunehmen. Die Einnahmen daraus fließen an zwei Berliner Kinder-Hilfsorganisationen: Straßenkinder e.V. und SchutzengelWerk.

Laufen für den guten Zweck wird auch bei Crowdlauf groß geschrieben. Deshalb unterstützen wir diese Idee mit einem Virtual Run, der ab 22. März parallel zum Laufcup stattfinden wird. 

Mit unserem ortsunabhängigen, virtuellen Lauf-Event können alle Sportbegeisterten weltweit die Berliner Kinderhilfe unterstützen, auch wenn sie nicht im Raum Berlin/Brandenburg wohnen.

Kinderhilfe Virtual Run Medaille von Crowdlauf

Das Besondere am Kinderhilfe Virtual Run

Bei diesem Virtual Run gehen wir wieder neue Wege. Vieles wird euch bekannt vorkommen, aber in einigen wichtigen Punkten unterscheidet sich dieser von allen bisherigen Virtual Runs

Hier sind die wichtigsten Neuerungen beim Kinderhilfe Virtual Run:

  • 16 einzelne Tage: Der Virtual Run findet ab 22. März an 16 einzelnen Tagen statt, die über das ganze Jahr verteilt sind. Das sind genau die Tage, an denen auch in Berlin beim Laufcup gelaufen wird. Es gibt also keinen zusammenhängenden, mehrwöchigen Teilnahmezeitraum wie bei unseren anderen Virtual Runs. 
  • Eintragen noch am selben Tag: Das Formular, in das alle Virtual Runner ihre zurückgelegten Kilometer eintragen, steht nur an den 16 Teilnahme-Tagen zur Verfügung. Wenn ihr also für den Virtual Run Sport macht, müsst ihr eure Sporteinheiten noch am selben Tag eintragen.

Darüber hinaus gilt beim Kinderhilfe Virtual Run wieder:

  • Swim, Bike, Run: Ihr dürft laufend, schwimmend oder radelnd Kilometer sammeln.
  • Million Hopes: Die Kilometer, die ihr beim Kinderhilfe Virtual Run zurücklegt, dürft ihr gleichzeitig auch beim Million Hopes Virtual Run eintragen. 
  • Starterpaket: Es gibt diesmal wieder ein Starterpaket, in dem eine Medaille, eine Startnummer und ein Passwort für den geschlossenen Virtual-Run-Bereich auf der Website enthalten sind. Ihr braucht das Starterpaket, um mitmachen zu können.
  • Spenden: Je mehr Kilometer ihr bei diesem Virtual Run erzielt, desto mehr Spenden fließen an die Berliner Kinderhilfe. Wir wenden also bereits unseren neuen Mechanismus an, mit dem wir am Jahresende unsere Spenden verteilen werden. Darüber haben wir neulich im Blog berichtet.    

Vorverkauf und Rabatte ab 21. Februar

Schon am kommenden Freitag startet der Vorverkauf für den Kinderhilfe Virtual Run. Mit einem Starterpaket sichert ihr euch euren Startplatz beim Virtual Run und könnt dann an jedem der 16 Teilnahme-Tage mitmachen. 

Alle, die den Crowdlauf Newsletter abonniert haben, erhalten am 21. Februar eine E-Mail, in der ein Rabatt-Code enthalten ist. Damit bekommt ihr 10 % Nachlass auf das Starterpaket und alle anderen Crowdlauf-Medaillen (ausgenommen „Million Hopes“ und Angebote). 

💌 Den Newsletter könnt ihr hier kostenlos abonnieren.

Happy Running! 😊

Seit dem 15. Januar läuft unser kostenloser Virtual Run “Million Hopes”. Es ist ein virtueller Solidaritäts-Lauf für die Menschen in Australien, an dem schon mehrere tausend Menschen teilgenommen haben.

Im Rahmen dieser Charity-Aktion wollen wir gemeinsam als Crowd eine Million (1.000.000) Kilometer zurücklegen. Wir tun das, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen.

Gleichzeitig wollen wir aber auch Geld spenden, um den Betroffenen vor Ort finanziell zu helfen. Deshalb gehen 5 € von jeder verkauften “Million Hopes”-Medaille an Charity-Organisationen, die gegen die Folgen der Brände in Australien ankämpfen.

In diesem Artikel wollen wir euch einen Zwischenstand durchgeben: Wie viele Kilometer kamen schon zusammen? Wie viele Medaillen wurden verkauft? Wie viele Spenden fließen an Charity-Organisationen?

So erfolgreich ist Million Hopes schon jetzt

Die Charity-Aktion läuft noch auf unbestimmte Zeit. Doch schon jetzt hat sie alle unsere Erwartungen übertroffen.

Als wir im Dezember die ersten Anfragen von euch bekommen haben, ob wir nicht einen Virtual Run für Australien machen könnten, dachten wir noch, das Interesse legt sich bestimmt bald wieder.

Aber nichts da! Die Anfragen häuften sich. Also haben wir kurzfristig entschieden, einen Virtual Run zum Thema zu starten und eine neue Medaille herauszubringen.

million hopes medaille crowdlauf

Das Ganze stampften wir innerhalb kürzester Zeit aus dem Boden. Eigentlich wollten wir erst im Februar oder März mit einem neuen Virtual Run starten, doch dann kam “Million Hopes”.

Zum Glück! Denn dank euch wurde dieser Virtual Run der bislang größte und erfolgreichste, den wir je gemacht haben.

Was genau bedeutet “erfolgreich” hier? Um das zu klären, packen wir ein paar Zahlen für euch aus:

  • Kilometer: In knapp vier Wochen kamen über 80.000 km zusammen. Das ist zweimal um die Erde! Und jeden Tag kommen über 3.000 km hinzu. Das ist deutlich mehr als bei jedem anderen Virtual Run zuvor. Ein starkes Zeichen der Anteilnahme und Solidarität!
  • Posts: Auf Instagram kursieren bereits weit über 5.000 Beiträge mit dem Hashtag #millionhopes. Und sie sind fast alle von euch! Dort könnt ihr wunderbar sehen, wie groß, bunt und engagiert die Crowdlauf Family ist. Ganz toll!
  • Medaillen: Allein am ersten Tag der Charity-Aktion wurden über 1.000 “Million Hopes”-Medaillen vorbestellt. So groß war die Nachfrage und die Spendenbereitschaft noch nie!
  • Spenden: Aktuell liegen wir bei einem Spendenvolumen von stolzen 9.000 €, die durch den Medaillenverkauf zusammengekommen sind! Wir sammeln noch ein bisschen, dann überweisen wir.

Übrigens: An welche Organisationen das Geld gehen soll, darüber könnt IHR schon bald in einer Umfrage entscheiden!

Den Link zur Umfrage geben wir im nächsten Crowdlauf-Newsletter bekannt, den ihr hier kostenlos abonnieren könnt.

Wie geht’s weiter?

Das Ziel der “Million Hopes” Charity-Aktion ist, gemeinsam mit euch 1.000.000 km zu erreichen. Denn eine Million Kilometer sind eine Million Mal Hoffnung für Australien.

Selbst wenn die Brände irgendwann gelöscht werden, der Wiederaufbau und die Wiederaufforstung wird ein Kraftakt für die Australier werden. Und sehr viel Zeit benötigen.

Aktuell werden jeden Tag im Schnitt mehr als 3.100 km eingetragen. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, brauchen wir 322 Tage insgesamt, um die eine Million km zu knacken. 27 Tage sind schon geschafft – verbleiben also noch 295.

Das klingt nach einer Mammutaufgabe – ist es auch! Aber es ist gerade mal Mitte Februar. Quasi noch tiefster Winter.

Wenn wir alle schon jetzt so aktiv sind, wie viel schaffen wir dann wohl im Frühling, Sommer und Herbst, wenn all die großen Läufe kommen, die Halbmarathons, Marathons und Ultras?

Lasst uns gemeinsam versuchen, die Aktion zu einem noch größeren Erfolg zu machen, als sie schon jetzt ist! Wir glauben an euch, wir glauben an die Kraft der Crowdlauf Family!

In diesem Sinne: Happy Running! 😊

Drei verschiedene Klima- und Vegetationszonen prägen das Leben in Burkina Faso, einem Binnenstaat in Westafrika. Wüste, Savanne und tropische Wälder folgen aufeinander. Etwa ein Drittel aller etwa 30 Millionen Burkinabé lebt im Ausland – Jean Baptiste Kafando ist einer von ihnen, er wohnt in Berlin.

Seine Arbeit hier in Deutschland und seine Projekte in Burkina Faso sind beide aufs Engste mit dem Klimawandel verknüpft. Doch wenn er die Veränderungen der Natur beobachtet, sorgt er sich vor allem um die sozialen Auswirkungen in Burkina.

Mangos in Deutschland – Warum schmecken sie nicht?

“Als ich zum ersten Mal in Deutschland war, habe ich Mangos gesehen und gekauft. Aber die haben überhaupt nicht geschmeckt. Wenn man weiß, wie Mangos in Afrika wachsen – das war ein Schock für mich”, erzählt Jean-Baptiste Kafando, der in Burkina Faso nach einem Kunst- und Kommunikationsstudium als Journalist gearbeitet hatte.

Als er versuchte zu verstehen, warum Mangos in Deutschland so wenig Geschmack haben, habe er lernen müssen, dass sie unter Einsatz von Pestiziden gezüchtet, unreif geerntet und für lange Transportwege mit Konservierungsmitteln behandelt werden.

Vom Journalisten zum Imker

Doch in Deutschland entdeckte er nicht nur, dass Mangos hier überhaupt nicht schmecken, sondern auch – per Zufall – einen neuen Beruf, der ihm weit spannender vorkam als Journalismus: Er ließ sich zum Imker ausbilden und arbeitet inzwischen seit über zehn Jahren mit Bienen.

Jean-Baptiste Kafando mit seinen Bienen in der Bio-Imkerei in Berlin
Jean-Baptiste Kafando mit seinen Bienen in der Bio-Imkerei in Berlin, (c) Jean-Baptiste Kafando

Dass seine Imkerei biozertifiziert ist, sei keine Überraschung, meint er. Er müsse zwar das Wachs selbst herstellen, auf Einsatz von Chemie völlig verzichten, was die Arbeit anstrengender mache. “Aber das macht Sinn. Auf gesunde Ernährung sollte man sowieso achten. Und wer Bio produziert, hat die Idee, in Harmonie mit der Natur zu leben.”

Das ist sein Klimaschutz im Kleinen. 

Der Klimawandel ist deutlich zu spüren

In einen persönlichen Zwiespalt gerät er, wenn er an sein lange geplantes Projekt in Burkina Faso denkt. Er möchte dort junge Leute zu Imkern ausbilden und eine Imkerei aufbauen, die über das traditionelle Imkern, bei dem der Honig mit Feuer und Strohhalmen aus den Bäumen gewonnen wird, hinausgeht.

Doch dazu muss er das Verhalten der Bienen beobachten und zum Beispiel erforschen, welche Bäume genug Nektar bieten – und regelmäßig nach Burkina Faso fliegen. Das wiederum kann er nur noch schwer mit seinem Klimagewissen vereinbaren.

Was für das Fliegen spricht: Sein Projekt würde, zumindest im Kleinen, wahrscheinlich zu einer besseren Ernährung der Menschen in Burkina beitragen. Denn der Klimawandel sei dort deutlich erlebbar – und mit ihm die sozialen Folgen.

“Jedes Jahr sieht man wie die Wälder immer mehr verschwinden und wie die Savanne immer anders aussieht, und das ist nicht zu diskutieren, das sieht man, das spürt man auch”, meint Kafando.

Und er fügt hinzu, vor allem an Terrorgruppierungen im Osten des Landes denkend: “Diese Krise, die man dort erlebt, hat auch was mit Ernährung zu tun, mit Mangelernährung und Mangel an Lebensmitteln. Weil, jeder Mensch, wenn er sich nicht gut ernähren kann, kann sich alles ausdenken, und das ist schade.“

Ein solcher Zustand kann Extremismus fördern. Vor allem islamistische Gruppierungen überziehen den Osten des Landes momentan mit Gewalt.

Die Folgen treffen den globalen Süden härter

Die Folgen des Klimawandels treffen die Menschen in Afrika und Südostasien am härtesten, dies bestätigte erst jüngst wieder eine im Magazin “Science” veröffentlichte Studie.

Sie bezieht sich darauf, dass die dort lebenden Menschen nicht nur unter extremeren klimatischen Bedingungen leben und verstärkt leben werden, sondern dass sie die Extreme auch nicht so gut durch technische Infrastrukturen ausgleichen können – was etwa den Zugang zu Trinkwasser, den Schutz der Küsten oder die Befruchtung von Pflanzen angeht. 

Massive Abforstungen oder ein in großen Maßstäben sorgloser Umgang mit Müll leisten in Ländern im südlichen Teil der Welt einen Beitrag dazu, dass sich die Lebensbedingungen verschlechtern werden. Dennoch ist unbestreitbar klar: Den größten Anteil am menschengemachten Klimawandel hat der Lebensstil der Menschen in der nördlichen, industrialisierten Hälfte der Welt.

Zum Vergleich: Während in Deutschland im Jahr 2016 jeder Einwohner durchschnittlich für 8,8 Tonnen an CO2-Emissionen verantwortlich war, waren es in Burkina Fasos Nachbarland Sudan nur etwa 0,5 Tonnen pro Einwohner im Jahr – für Burkina Faso liegen keine Werte vor.

Der so genannte ökologische Fußabdruck der Einwohner (der weitere Faktoren mit einbezieht) in beiden Ländern könnte kaum unterschiedlicher sein.

Kafandos Bio-Honig-Laden in Berlin-Friedrichshain
Kafandos Bio-Honig-Laden in Berlin-Friedrichshain, (c) Jean-Baptiste Kafando

Die Diskussion im globalen Norden 

Diskutieren wir in Deutschland also über das Klimapaket der Bundesregierung, dann blicken wir dabei immer noch auf eher grüne Wälder und können sogar über kalte Regentage klagen.

Wir wissen, dass wir trotz allem Zugang zu ökologisch produzierten Lebensmitteln und sauberem Wasser haben und fühlen uns durch Versicherungen, stabile Infrastrukturen und Deichanlagen sowie durch staatliche Fürsorge auch weitestgehend abgesichert, sogar im Fall von Schäden durch Extremwetterlagen.

Für Menschen in anderen Teilen der Erde wird der Klimawandel dabei längst zu einer Frage des Überlebens, die Veränderungen in der Natur sind nicht nur von Jahr zu Jahr deutlicher sichtbar, sondern erfordern schon jetzt individuelle und kollektive Reaktionen – wobei nicht selten die letzte Wahl sein wird, wegzugehen. 

Wie andere Länder auch, verfügt Burkina Faso über einen Nationalen Plan zur Anpassung an den Klimawandel, der technologische und ökologische Optionen auswertet – denn auch wenn die Weltgemeinschaft ihre Emissionen sofort drastisch reduzieren würde, sind einige Entwicklungen nicht mehr aufzuhalten. 

Achtgeben, aufmerksam machen und den Wandel einfordern

Wenn Jean Baptiste Kafando sagt: “Mangelernährung führt dazu, dass sich Menschen alles ausdenken können”, dann denkt er an die Schreckensbilder aus seiner Heimat, die ihm noch um einiges näher gehen als uns – und hat mit der Imkerei eine kleine Nische gefunden, wie er hier wie dort versuchen kann, etwas zu bewegen.

Seine Erfahrungen, Fragen und inneren Zwiespälte zeigen dabei, dass die Grenzen zwischen Nord und Süd verschwimmen und wir alle immer mehr als Weltbürger agieren müssen. Aber wie?

Neben dem persönlichen Versuch, den eigenen ökologischen Fußabdruck durch vor allem bewussten Konsum etwas zu verringern, können wir alle Aufmerksamkeit für das Thema generieren und in unserer eigenen Nische nach neuen Lösungen suchen – bei Fridays for Future, als Unternehmer*innen oder Angestellte, als Denker*innen, Macher*innen oder vielleicht durch einen Crowdlauf.

Wir müssen jetzt die Bilder und Geschichten, die uns bewegen, weitertragen und den großen Wandel von der Politik einzufordern. Auch wenn das bedeutet, dass wir in Zukunft auf schlecht schmeckende Mangos völlig verzichten müssen.

Der Rassismus macht die Rassen – nicht umgekehrt. So lautet der Tenor der “Jenaer Erklärung“, die auf der kürzlich zu Ende gegangenen Jahrestagung der Deutschen Zoologischen Gesellschaft verabschiedet wurde.

Die Annahme, Menschen könnten in Rassen eingeteilt werden, entbehre jeder wissenschaftlichen Grundlage, stellten die Forscher klar.

Menschenrassen seien demnach nichts weiter als ein gedankliches Konstrukt, sagt Professor Martin Fischer von der Universität Jena. Mit dem Rassebegriff werde die Biologie missbraucht, um Rassismus zu legitimieren.

Rassismus ist absurd

Wir legen euch wärmstens ans Herz, das 7-minütige Interview mit Martin Fischer auf Deutschlandfunk als Podcast zu hören. Es ist wirklich gut!

Darin erklärt der Jenaer Professor unter anderem, warum es völlig absurd ist, Menschen anhand ihrer Hautfarbe zu diskriminieren:

Dunkle und helle Hautfarben sind Anpassungen an den Anteil des Sonnenlichts das Jahr über. Und bleich zu werden, weiße Hautfarbe zu entwickeln, ist ein, wenn man so will, defizitärer Akt: Die mangelnde Sonne im Norden führte dazu, dass Menschen (…) ausbleichen mussten, um überhaupt noch Vitamin D synthetisieren zu können. 

Prof. Martin Fischer, Uni Jena

Das heißt, Menschen, die heute eine weiße Hautfarbe haben, wären eigentlich deutlich dunkler, wenn ihre Vorfahren vor mehreren zehntausend Jahren nicht von Süden nach Norden gewandert wären. Denn, so Martin Fischer weiter:

Die jüngsten Ergebnisse (…) zeigen, dass alle nicht afrikanischen Menschen auf eine Gruppe in Ostafrika, Südsudan/Ostafrika, zurückgehen, von denen wir dann abstammen. Also wir sind eigentlich hellhäutige Afrikaner, wenn man so will, unser Ursprung liegt in Afrika.

Prof. Martin Fischer, Uni Jena

Also… das heißt:

Wir hier in Deutschland und im nördlichen Europa haben alle einen Migrationshintergrund? Wir alle sind Migrant*innen aus Afrika? Du, ich, er und sie?

Rassismus, Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit sind wirklich absurd!

Warum wir über dieses Thema bloggen

Wir von Crowdlauf glauben, dass nur ein Miteinander die Welt für alle besser machen kann.

Menschen dürfen aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrer Sprache, ihrer Religion oder ihrer sexuellen Orientierung keine Ablehnung in unserer Gesellschaft erfahren.

Vor allem sind Pauschalisierungen zu vermeiden. Wann immer jemand Menschen in Gruppen zusammenfasst (“die Ausländer”, “die Migranten”, “die Schwulen”) und diese Gruppen pauschal verurteilt, sollten wir alle hellhörig werden.

Gruppen lassen sich nämlich leicht als Feindbild konstruieren, z.B. indem sie rhetorisch mit Gefahren und Katastrophen in Verbindung gebracht werden (“eine Flüchtlingswelle überschwemmt Europa!”). Dieses sogenannte “Framing” ist ein beliebtes Stilmittel von Populisten, um Menschen zu manipulieren.

Auch werden durch Gruppen die Individuen, aus denen die Gruppen eigentlich bestehen, unsichtbar: Viel zu schnell ist die Rede von “den Migranten” – und nicht von dem 28-jährigen Mohammed, der als Lehrer in Idlib gearbeitet hat, bis er vor dem Krieg fliehen musste.

Dabei sind Individuen Menschen wie du und ich, mit eigenen Biografien, Wünschen und Ängsten.

Ich möchte nicht, dass jemand meine Biografie, meine Wünsche und Ängste für nichtig erklärt, bloß weil er oder sie mich in ein Gruppe steckt, in der ich als Individuum unsichtbar werde. Willst du das etwa?

Wir von Crowdlauf bloggen über Themen wie diese, und starten Kampagnen wie “Ich mag’s bunt“, um uns alle immer wieder dazu anzuregen, über unsere eigenen Pauschalisierungen und Konstrukte im Kopf nachzudenken. Um sie zu hinterfragen und bei Bedarf aufzubrechen, wenn wir feststellen, dass sie nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Vielleicht überwinden wir so irgendwann auch den Alltagsrassismus, der uns als Gesellschaft prägt.

Zu leben bedeutet, Ressourcen zu verbrauchen: Nahrung, Energie, Rohstoffe… Das ist ein ganz normaler Vorgang.

Doch wenn wir auf eine Weise leben, die zu viele Ressourcen verbraucht – und das tun wir in den Industrienationen seit Jahrzehnten -, dann überlastet das die Erde.

Das heißt im Klartext: Die Menge an Ressourcen, die wir verbrauchen, kann auf natürliche Weise nicht mehr erneuert werden.

Der Erdüberlastungstag ist erreicht

Seit dem 29. Juli 2019 leben wir als Weltbevölkerung rein rechnerisch bereits auf Pump. Die Ressourcen, die unsere Erde hergeben könnte, ohne darunter zu leiden, sind in diesem Jahr weltweit schon jetzt verbraucht.

Der deutsche Erdüberlastungstag war übrigens schon am 3. Mai. Denn wir in Deutschland verbrauchen fast doppelt so viele Ressourcen wie der weltweite Durchschnitt.

Der Erdüberlastungstag ist also bereits erreicht – in Deutschland sowie weltweit.

Wir alle haben es in der Hand, unser Leben zu verändern, um die Ressourcen der Erde zu schonen und so das Leben und Überleben der nächsten Generationen zu sichern.

Hier sind einige Tipps, was wir gegen die Erdüberlastung tun können (Quelle: ZDF).

1. Weniger Autofahren

18 Prozent der Treibhausgas-Emissionen sind auf den Verkehr zurückzuführen. Insbesondere der Straßenverkehr schlägt dabei besonders kräftig zu Buche.

Lassen wir am besten das Auto so oft wie möglich stehen. Bewegen wir uns zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit den Öffentlichen fort.

2. Seltener neue Kleidung kaufen

Um 1 Kilogramm Baumwolle herzustellen, werden rund 15.000 Liter Wasser und 1 Kilogramm schädliche Chemikalien benötigt. Und wir Deutschen kaufen im Schnitt 14 Kilogramm neue Kleidung jedes Jahr.

Fragen wir uns also besser beim Kleiderkauf: “Brauche ich das wirklich? Oder kann ich vielleicht alte Sachen reparieren, Second Hand kaufen oder Kleidung mit anderen tauschen?”

3. Fleischkonsum reduzieren

100 Kilogramm Fleisch produzieren wir in Deutschland pro Person und Jahr. Nur ein Teil davon wird gegessen, der Rest landet oft im Müll.

Die Fleisch-Produktion ist dabei sehr ressourcenintensiv. Sie verursacht viele Treibhausgas-Emissionen und belastet den Boden. Empfohlen wird, dass wir den derzeitigen Gemüsekonsum verdreifachen und den Nüsse- und Samenkonsum verzehnfachen.

4. Nicht mehr fliegen

Das Fliegen verursacht 201 Gramm Treibhausgas-Emissionen pro Person und pro Kilometer. Das Bahnfahren nur 36 Gramm.

Bei Flugreisen werden im Schnitt auch deutlich mehr Kilometer zurückgelegt als bei Bahnreisen. Damit haben Flugreisen höhere Gesamt-Emissionen als Bahnreisen. Anstatt weniger zu fliegen, sollten wir also besser gar nicht mehr fliegen oder uns jedes Mal ernsthaft fragen: “Muss es wirklich ein Flug sein? Gibt es wirklich keine Alternativen?”

5. Strom sparen

Pro Kilowattstunde Strom, die wir verbrauchen, entstehen im Schnitt 474 Gramm CO2. Durch den Umstieg auf Ökostrom könnte der CO2-Ausstoß deutlich gesenkt werden.

Aber Vorsicht: Manche Stromanbieter werben mit “Ökostrom”, meinen aber einen Strom-Mix. Was wir brauchen, ist Ökostrom, der zu 100 % aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. Den gibt es auch – und genau darauf müssen wir beim Wechsel des Stromanbieters achten.

Was sind deine Tipps?

Wie versuchst du, deinen ökologischen Fußabdruck so gering wie möglich zu halten? Wir freuen uns über deine Kommentare.